Haydns „Schöpfung“ als Offenbarung

Für die Zuhörer der Wiener Uraufführung war sie eine Offenbarung, sodass man „ein Mäuserl hätt können laufen hörn". Und für die Zuhörer der Kölner Aufführung des Gürzenich Orchesters in der Philharmonie war sie es auch: „Die Schöpfung", das Oratorium, mit dem Haydn schon damals „die Herzen seiner Landsleute im Sturm eroberte". Und zugleich dessen Interpretation, mit der dem „Gürzenich Orchester Köln" unter seinem Dirigenten Markus Stenz sowie dem „Vokalensemble Kölner Dom" ein großer Wurf gelang.
Geradezu apotheotisch der mächtig sich entfaltende Schlusschor, auf den sich das biblisch beschriebene Schöpfungsgeschehen hin entwickelt. Mit seiner abschließenden Fuge, „Des Herrn Ruhm, er bleibt in Ewigkeit", entfaltet er eine überschwängliche musikalische Aussagekraft, die sich durchaus mit der Klanggewalt von Händels „Messias" messen kann.
Verhalten dagegen die Einleitung des Werkes, in der mit der Vorstellung des Chaos durch das Orchester bereits die Erhabenheit des Schöpfungsgeschehens spürbar wird. Doch bevor der Chor euphorisch das Wunder des entstehenden Lichts bejubelt, muss erst noch die Finsternis überwunden werden, die Rudolf Rosen als Raphael mit tiefer Stimme in sonorem Schauder beschwört.
Lyrisch hingegen wird es bei der Darstellung der gefiederten Geschöpfe am Firmament. Christiane Libor zwitschert mit hellem Sopran ihr Loblied vom stolzen Adler, vom frohen Lied der Lerche, dem girrenden zarten Taubenpaar bis hin zu der süßen Kehle der Nachtigallen. Dabei wird sie lautmalerisch unterstützt von all den Blasinstrumenten des Orchesters, die sich nach Vorstellung des Komponisten für die musikalische Darstellung des Vogelgesangs eignen. So verwandelt sich der Bühnenbereich der Philharmonie zu Beginn des zweiten Oratorienteils gleichsam in eine riesige Voliere.
Als dritter Solist weiß der Tenor Donat Havar in der Rolle des Uriel zu begeistern, der in seinem Rezitativ die Sonne strahlend aufsteigen lässt und Mond und Sterne mit seinem Gesang an das nächtliche Firmament zaubert. Ein globales Geschehen, das zugleich dem Lobpreis Gottes dient, wie Chor und Solisten gemeinsam in vollem Überschwang verkünden.
Begeisternd auch, wie der Chor an anderer Stelle die Vollendung des großen Schöpfungswerkes bejubelt. Präzise durch und durch, bewährt sich hier die schwerpunktmäßige a capella-Praxis des mit gut vierzig Stimmen besetzten Klangkörpers, der selbst schwierige und virtuose Partien klanggenau zu meistern weiß. Nicht zuletzt auch wegen der Einstudierung durch Professor Eberhard Metternich, der das vor dreizehn Jahren gegründete Vokalensemble leitet.
Doch alle Fäden laufen an diesem Konzertabend zusammen beim Dirigenten Markus Stenz, dem Gürzenich-Kapellmeister und zugleich Generalmusikdirektor der Stadt Köln. Bei seiner Begeisterung für das Werk fühlt er sich in seinem Element, wenn er sich unmittelbar vor der Pause im Überschwang dem von Chor und Solisten vorgetragenen Lobpreis des Herrn mit wiegenden Körperbewegungen anschließt.
„Die Schöpfung" - gemessen am Applaus sicherlich ein Höhepunkt der diesjährigen Konzertsaison in der Kölner Philharmonie!
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- Bernd und Cecilie Kregel / Gastautoren
- Quelle: www.epochtimes.de/articles/2009/10/17/503540.html




