Die Ward-Methode an der Kölner Domsingschule
Die Ward-Methode ist seit der Gründung der Kölner Domsingschule 1986 eine Komponente des Unterrichts. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die musikalische Ausbildung der Kinder. Im Prinzip ist sie vom ersten Schultag an Bestandteil des Tagesablaufs. Die Kinder des ersten und zweiten Schuljahres erhalten vier mal wöchentlich eine Unterrichtseinheit von 20-25 Minuten, die in den Vormittag eingebettet ist. Der Unterricht wird von in der Ward-Methode ausgebildeten Lehrern erteilt. Er ist als zusätzlicher, über die fachlichen wie zeitlichen Anforderungen der Richtlinien und Lehrpläne des Landes Nordrhein-Westfalen hinausgehender Musikunterricht zu verstehen.
Die ersten beiden Schuljahre kann man als eine Art Grundkurs auffassen, bei dem den Kindern die wichtigsten musikalischen Grundkenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden. Beispielsweise sollen die Kinder am Ende des zweiten Schuljahres in der Lage sein, einfache durtonale deutschsprachige Volkslieder aus dem klassischen Notensystem unter Anleitung des Lehrers vom Blatt zu erarbeiten (ohne dass der Lehrer ihnen vorsingt!).
Im dritten und vierten Schuljahr findet der zusätzliche Musikunterricht im Nachmittagsbereich statt. Hier stehen wöchentlich zwei Unterrichtsstunden zur Verfügung. Der Unterricht des dritten und vor allem des vierten Schuljahres ist schon mehr als konkrete Vorbereitung auf die Arbeit in den Domchören angelegt. Das heißt, es wird besonders die Stimmbildung intensiviert und im Repertoire finden sich mehr und mehr Kanons und einfache zwei und dreistimmige Liedsätze als Vorbereitung auf die chorische Mehrstimmigkeit. Weiterhin werden wichtige Inhalte der allgemeinen Musiklehre vermittelt, sofern sie Kindern im Grundschulalter schon verständlich und in der Chorarbeit von Nutzen sind.
Das vielleicht wichtigste Ziel der Ward-Methode - das auch immer eine treibende Kraft bei der Weiterentwicklung der Methode war - darf hier nicht unerwähnt bleiben. Bei den Kindern soll die Freude und die Begeisterung für die Musik, für das Singen und Musizieren und für die musikalische Gestaltung der Liturgie geweckt werden. Denn was nützt die beste Ausbildung, wenn sie nicht auch diese Freude vermitteln kann. Und das in der Hoffnung, dass diese Freude am Musizieren für sich selbst, für die Mitmenschen und zum Lob und zur Ehre Gottes ein Leben lang anhält.
Die mehr als zwanzigjährige Erfahrung an der Kölner Domsingschule hat gezeigt, dass auch Kinder die nicht von Anfang an auf der Domsingschule waren sich in die Arbeit mir der WM einfinden. Sie lernen von ihren Mitschülern in der Weise, dass sie zuerst einfach mitmachen und imitieren und von Wissens- und Könnensvorsprung der Klasse getragen werden. Mit der Zeit entwickeln sie mehr und mehr Selbständigkeit und sind bald, wenn ihr Selbstbewusstsein entsprechend gefördert wird, in der Lage und auch mutig genug, sich aktiv am Geschehen zu beteiligen.
Die Erfahrungen zeigen weiterhin, dass sich eine solch konsequente Musikerziehung sehr positiv auf die allgemeine Persönlichkeitsentwicklung der Kinder auswirkt. So können unsere Beobachtungen entsprechende Untersuchungen aus den Niederlanden, der Schweiz und aus Berlin nur bestätigen. Die Kinder entwickeln neben der Musikalität eine deutlich höhere Konzentrationsfähigkeit, sind selbständiger und selbstbewusster, und bewältigen soziale Konflikte besser.
Gisbert Brandt
Einen Ausführlichen Artikel über die Ward-Methode finden Sie hier als PDF-Datei.




