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Benefizkonzert mit Olga Scheps in der Dommusik "Musik macht das Leben besser"


Normalerweise spielt sie auf den großen Bühnen dieser Welt. Doch an diesem Mittwoch tritt die berühmte russischstämmige Pianistin Olga Scheps in der Kölner Domsingschule auf. Der Erlös kommt Kindern in Bolivien zugute.

DOMRADIO.DE: Frau Scheps, Sie geben an diesem Mittwoch ein Benefiz-Konzert in der Aula des Lindenthaler Kardinal-Höffner-Hauses, dem Chorzentrum der Kölner Dommusik. Das Besondere wird sein, dass im ersten Teil des Abends Schülerinnen und Schüler der Dommusik eigenen Musikschule auftreten. Und im zweiten Teil spielt dann eine Pianistin von Weltruhm, die ECHO Klassik-Preisträgerin ist, von Jugend an viele Preise gewonnen hat und in allen Klassik-Charts immer auf den vorderen Plätzen anzutreffen ist. Wie ist es zu dieser Kooperation gekommen?

Olga Scheps (Konzertpianistin): Vor ein paar Monaten bin ich bei der Kölner Privatinitiative "Musik in den Häusern der Stadt" aufgetreten und angesprochen worden, ob ich mir vorstellen könnte, im Rahmen eines Benefizkonzertes für die Organisation "Cristo Vive", die wiederum von der Kölner "Evamari & Andreas Röhling Stiftung" unterstützt wird und sich für Kinder in Bolivien einsetzt, in der Kölner Dommusik aufzutreten. Initiatorin ist Dagmar Schulte, die sich seit vielen Jahren mit großem Engagement für Kinderprojekte in Bolivien einsetzt und Spenden in Deutschland sammelt. Ich fand diese Idee sofort sehr, sehr schön, weil mir der Kontext gefällt. Kinder und Musik, Musik und Kinder – diese Kombination ist mir, die ich selbst Mutter bin, schließlich ein großes Anliegen. Denn je früher Kinder mit Musik in Berührung kommen, desto besser. Musik ist nicht nur Freude, Spaß und Entertainment, sie ist auch Medizin für die Seele. Das ist eine große Welt, mit der man Gefühle verarbeiten, verstehen und einordnen lernt. Über Musik kann man so viel über sich selber lernen. Und wenn ich dazu beitragen kann, Kindern irgendwo auf der Welt einen Zugang dazu zu erleichtern, dann bin ich super gerne mit dabei.

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Neben diese zutiefst wehmütige und von daher gleichermaßen aufwühlende Musik, die von zeitgenössischen Kritikern auch schon mal als allzu romantisch bewertet wurde und die in ihrer Wirkung zeitlebens das Gesamtoeuvre des 1910 in Pennsylvania geborenen Amerikaners überlagerte, stellt Metternich den „Lobgesang“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy; eine „Symphoniekantate“ für Soli, Chor und Orchester, wie der Leipziger Gewandhauskapellmeister selbst sein Werk später betitelte. 1840 bereitet sich die Verlagsstadt auf die 400-Jahr-Feier zur Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johannes Gutenberg vor. Im Rahmen dieses Festes sollten neue Kompositionen erklingen, für die Mendelssohn einen Auftrag bekommt. Er verfasst zunächst einen weltlichen Festgesang für Männerchor und zwei Blasorchester und dann schließlich auch den "Lobgesang", der in der Thomaskirche uraufgeführt und ein großer Erfolg wird.

"Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts." Dieser großangelegte Chorsatz spiegelt die zentrale Aussage der Vokalkomposition, der gerade in diesen Tagen besondere Bedeutung zukommt: In Zeiten des Krieges sehnen sich die Menschen danach, dass Licht und Erleuchtung über die Dunkelheit triumphieren. Mendelssohn schreibt dieses Stück mit 31 Jahren und ringt lange um eine angemessene Form der Darstellung, um – wie es in der Romantik typisch ist – Poesie und Musik miteinander zu verbinden. Zu diesem Zeitpunkt, da er ausdrücklich ein Orchesterwerk mit Chor schaffen soll, hat er bereits viel geistliche Musik komponiert, so dass sein Können im „Lobgesang“ auf einen Höhepunkt zuläuft und dieses Werk noch zu Lebzeiten eines seiner populärsten wird. Unstrittig wird zwar in der Musikgeschichte immer wieder die formale Parallele zu Beethovens „Neunter“ hergestellt, doch musikalisch hält dieser Vergleich kaum stand, zumal sich Mendelssohn weitgehend an der Oratorientradition des 18. Jahrhunderts orientiert. Der „Lobgesang“, der aus einem sinfonischen und einem Kantatenteil – einem großen mehrteiligen Vokalfinale – besteht und von dem Psalmtext „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“ seinen Namen bezieht, ist am Ende auch Ausdruck der tiefen Frömmigkeit Mendelssohns. Inhaltlich geht es ihm um drei Hauptthemen: das Lob Gottes, Gottes Treue zu denen, die seiner Hilfe und seines Trostes harren, und der Aufstieg des Volkes Gottes aus der Finsternis zum Licht. 

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DOMRADIO.DE: Als Konzertpianistin sind Sie sicher noch nie im Dom aufgetreten. Aber haben Sie vor Ihrer Planung des heutigen Auftritts denn schon mal etwas von der Kölner Dommusik gehört?

Scheps: Natürlich kenne ich die Dommusik. Ich weiß, dass die Kinderchöre über die Mitgestaltung der Liturgie im Dom hinaus auch Konzerte geben oder an Opernprojekten beteiligt sind. Aber mit der Location selbst hatte ich bislang noch keine Berührung. Deshalb freue ich mich umso mehr auf dieses besondere Projekt – und natürlich auch auf die Kinder, die im Vorprogramm auftreten. Selbst wenn ich im November wieder in der Philharmonie spiele, finde ich nicht unbedingt, dass Konzerte immer nur in einem derart großen Saal stattfinden müssen, der eigens dafür bestimmt ist. Musik kann überall gemacht werden und die Menschen überall erreichen. Deshalb bin ich auch sehr glücklich, dass dieses Konzert aus der Aula der Dommusik heraus live nach Bolivien übertragen wird. Auf diese Weise zeigt sich, dass wir uns mit Menschen weltweit über die Musik verbinden können. Für mich eine sehr beglückende Vorstellung.

DOMRADIO.DE: Sie sind selbst Mutter. Kindern die Musikwelt mit allen ihren Möglichkeiten zu erschließen und vertraut zu machen ist Ihnen ein Herzensanliegen. Was verbinden Sie damit?

Scheps: Ich finde es wichtig, dass jedes Kind Zugang findet zur Musik. Es muss nicht – wie bei mir – ein Beruf daraus werden, aber wenn Musik ein Teil des Lebens ist, hat das nur positive Seiten. Musik macht das Leben besser. Das gilt für uns Erwachsene, aber das gilt genauso für die Kinder, die die Welt in allen ihren Farben kennenlernen. Ich bin mit Musik aufgewachsen, und ich bin dafür sehr dankbar. Ich finde, wenn wir den Kindern die Welt zeigen, müssen wir ihnen auch die Welt der Musik zeigen. Welche Art von Musik sie dann später gerne hören, das finden sie dann schon von ganz alleine heraus. Aber wir sollten ihnen möglichst die vielen verschiedenen Facetten der Musik zeigen. Und ich finde es auch immer super, wenn Kinder ein Instrument lernen können. Das kann nur Gutes bringen. So jedenfalls habe ich das erlebt: Wenn ich Musik mache oder Musik höre, kann ich mich unheimlich gut konzentrieren und nachdenken. Und das tut mir gut, das hilft mir so sehr für mein ganzes Leben, dass ich mit Musik meine Gedanken ordnen kann. Oft komme ich dabei auch wirklich auf gute Ideen. Die Welt der Musik ist einfach ein ganz wichtiger Teil für mich. Sie hilft in jedem Bereich.

DOMRADIO.DE: Das Konzert beginnt um 19 Uhr. Auf welches Programm dürfen sich die Zuhörer denn heute Abend freuen?

Scheps: Ich spiele die "Wanderer-Fantasie" von Schubert, den "Faschingsschwank aus Wien" von Schumann, bei dem es recht abwechslungsreich um sehr unterschiedliche Emotionen geht, die sich wie Teile einer Bilderausstellung aneinander reihen, und eine Arabesque von Claude Debussy. Soweit der klassische Teil. Aber auch die Stücke "Jeux De Maxim" von Chilly Gonzales oder "Start Anew" von Frida Johansson – das ist die Melodie eines Computerspiels, die ich selbst für Klavier arrangiert habe – stehen auf dem Programm. Teile dieser bunten Mischung aus Repertoire und völlig Neuem finden sich auch auf meinem Album "Family", das ich im letzten Jahr eingespielt und meiner Familie gewidmet habe als Zeichen der Wertschätzung und Dankbarkeit, weil eigentlich jedes der dort eingespielten Stücke etwas mit meiner Familie zu tun hat. Die erste Debussy-Arabesque ist zum Beispiel das erste richtige Stück, das mir meine Mama beigebracht hat. Generell regt Musik die Phantasie sehr stark an, und als Kind hatte ich immer sehr viel Spaß dabei, mir bei Musik etwas vorzustellen. Das verbinde ich auch mit dieser Arabesque.

DOMRADIO.DE: Die Organisation "Cristo Vive", die von der Kölner "Evamari & Andreas Röhling Stiftung" unterstützt wird, betreut unter anderem in verschiedenen Einrichtungen in Bolivien Kinder aus den ärmsten Familien. Ihnen soll der Erlös dieses Konzertes zugute kommen, dessen Eintritt frei ist, um Spenden wird jedoch gebeten. Was können Sie uns über diese Initiative erzählen?

Scheps: Es geht darum, für Kinder in der bolivianischen Stadt Chocaya einen Kindergarten zu bauen, der es ihnen ermöglicht, schon früh an Bildung teilzuhaben – in ärmeren Regionen von Südamerika ein großes Thema. Ziel ist es, mit den Spenden aus dem Konzert für die Kinder angemessene Räumlichkeiten zu schaffen – einschließlich eines heilpädagogischen Raums für therapeutische Maßnahmen. Eine Live-Übertragung in die Einrichtung nach Chokaya wird zahlreichen Familien vor Ort die Teilhabe an dem Konzert ermöglichen. Und das freut mich wirklich sehr. Noch mehr aber würde mich freuen, wenn möglichst viel an diesem Abend für dieses Projekt von Frau Schulte gespendet würde und die Kinder in Bolivien davon profitieren könnten.

DOMRADIO.DE: Sie wurden in Moskau geboren, leben aber seit 30 Jahren in Deutschland, haben an der Kölner Musikhochschule studiert und treten hier auch regelmäßig auf, wenn nicht gerade Corona den Kulturbetrieb lahm legt oder Sie mit weltweit führenden Orchestern und Dirigenten auf Tournee sind. Was schätzen Sie als Künstlerin an dieser Stadt?

Scheps: Mir gefällt die Kölner Mentalität sehr. Ich fühle mich hier einfach wohl. Die Menschen sind aufrichtig, kontaktfreudig, humorvoll. Köln ist eine sehr lebendige Stadt. Ich mag ihr außergewöhnliches Flair. Hinzu kommt, dass für meinen Beruf die Lage von Köln mit seinen Flughäfen sehr gut ist, weil ich doch immer auch viel in Europa unterwegs bin. Die Hauptsache aber ist, dass meine Familie hier ist.

Das Interview führte Beatrice Tomasetti.

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