Domorganist Winfried Bönig erwartet neue Klangwelten mit Marienorgel
In zwei Wochen wird die neue Marienorgel im Kölner Dom geweiht. Domorganist Winfried Bönig spricht von einer "langen Geburt". Doch das neue Instrument verspricht im Zusammenspiel mit den anderen Orgeln der Kathedrale einen Hochgenuss.
DOMRADIO.DE: Es sind noch 14 Tage bis zur Orgelweihe. Was muss noch alles gemacht werden?
Prof. Winfried Bönig (Domorganist an der Hohen Domkirche zu Köln): Jetzt kommt die wichtigste Tätigkeit, nämlich die Intonation der Pfeifen. Das ist die Abstimmung auf den Raum. Sie entscheidet darüber, ob der Klang in dieser Kirche wirklich trägt.
DOMRADIO.DE: Die Marienorgel hat 18 Register, die Orgelanlage bisher knapp 150. Wie heikel ist es, so ein Instrument in eine bestehende Orgellandschaft zu integrieren?
Bönig: Ich bin froh, dass dieser Prozess von der Werkstatt Klais gemacht wird. Die Werkstatt hat bereits die anderen beiden Orgeln gebaut und diese auch betreut, sodass sie eigentlich genau wissen, wie diese Orgel aussehen muss, damit sie sich in den Gesamtklang einfügt.
DOMRADIO.DE: Es gibt zwei Einsatzorte hier in der Marienkapelle. Wie muss man sich den Klang dann vorstellen? Sehr laut und kräftig?
Bönig: Das soll eigentlich nicht der Fall sein. Für einen lauten und kräftigen Klang stehen uns die großen Orgeln zur Verfügung. Diese Orgel hingegen soll vor allem die Gemeinde und den Chor begleiten. Dafür sind möglichst viele weiche und anschmiegsame Klangfarben erforderlich. Aus diesem Grund verfügt sie über 18 Register und ist damit deutlich größer als die Vorgängerorgel. Dadurch bietet sie eine wesentlich größere Bandbreite an Klangfarben.
DOMRADIO.DE: Das Besondere ist, dass man sie in die Höhe fahren kann. Wie muss man sich das bei Konzerten dann vorstellen?
Bönig: Sie wird bei Veranstaltungen oder bei Konzerten im Binnenchor hochgefahren. Dort kann sie dann in den Innenraum hineinklingen.
DOMRADIO.DE: Eine weitere Besonderheit ist der Spieltisch: Von hier aus können nämlich alle anderen Orgeln angespielt werden. Wie flexibel ist er dabei einsetzbar? Lässt er sich frei im Raum bewegen? Kommuniziert er per Funk mit den Orgeln, oder wie muss man sich das technisch vorstellen?
Bönig: Im Dom gibt es verschiedene Anschlussstellen. Außerdem steht ein langes Kabel zur Verfügung, sodass der Spieltisch flexibel eingesetzt werden kann. Er kann beispielsweise vor das Vierungspodest oder an das Chorpodest geschoben und von dort aus bedient werden. Das ist besonders praktisch, wenn ein Orchester oder ein Chor begleitet wird.
DOMRADIO.DE: Dann gibt es ja noch die Orgelfeierstunden in den Tagen danach: Am 14. findet die Orgelweihe statt, am 16. Juni folgt die Orgelfeierstunde, die wir auch live bei DOMRADIO.DE übertragen werden. Wird man die Organistinnen und Organisten künftig dabei unten sehen können?
Bönig: So weit sind wir noch nicht. Der Spieltisch steht derzeit auf dem Boden und müsste zunächst auf ein Podest gesetzt werden. Bei der Orgelnacht am 19. Juni wollen wir ihn jedoch als Experiment in die Mitte des Raumes stellen – vor das Vierungspodest. Dann werden wir sehen, wie sich das bewährt.
DOMRADIO.DE: Sie sind schon sehr lange Domorganist. Was bedeutet das für Sie persönlich, dass nun dieses Orgelprojekt kurz vor der Vollendung steht?
Bönig: Das freut mich natürlich sehr, dass es noch in meiner Amtszeit funktioniert hat. Das Ganze war doch eine lange "Geburt". Es hätte auch schon vor einigen Jahren fertig sein können, wenn es keine Probleme mit dem Denkmalschutz und der Statik gegeben hätte. Umso mehr freut es mich, dass es jetzt doch noch gelungen ist.
DOMRADIO.DE: Es gehört nicht unbedingt zur Biografie eines Organisten, den Bau einer Orgel mitzuerleben. Ist es etwas Besonderes, diesen handwerklichen Prozess hier so unmittelbar verfolgen zu können?
Bönig: Für jeden Organisten ist das etwas Besonderes. Nicht viele haben in ihrer beruflichen Laufbahn die Möglichkeit, an ihrem Wirkungsort eine neue Orgel nach den eigenen Vorstellungen und Wünschen mitgestalten zu dürfen. Das ist schon etwas Außergewöhnliches, und darüber freue ich mich sehr.
Alle Informationen zur Festwoche anlässlich der Weihe der Marienorgel finden Sie hier
